Richtigstellung der LGBTQ-Dachverbände Pink Cross, LOS und TGNS zum Artikel «Von ‹Palestinians for Queers› hat noch nie jemand gehört»
von Alessandra Widmer (sie/ihr) | 04.08.2026
Im Artikel von Bettina Weber vom 30. Juli wird der «Homosexuellenbewegung» unterstellt, sich nicht gegen religiösen Fanatismus zu positionieren und ungerechtfertigterweise den amerikanischen Präsidenten für Angriffe auf LGBTIQ+ Rechte verantwortlich zu machen.
Im Zuge des Beitrags wird die Arbeit von Pink Cross, spezifisch von Co-Präsident Adrian Knecht, in einem stossenden Ausmass irreführend und tatsachenwidrig wiedergegeben, weshalb wir hiermit eine Richtigstellung fordern.
Es ist bezeichnend, dass sowohl Weltwoche als auch Tages-Anzeiger im Zuge der Berichterstattung über das Attentat mit Anna Rosenwasser, Tamara Funiciello und Adrian Knecht drei queere Personen an den Pranger stellen und damit für weiteren Hass exponieren, während diese ihre Verantwortung innerhalb ihrer Ämter und Tätigkeitsbereiche mit Sorgfalt wahrnehmen und entsprechend handeln.
1. Zeitpunkt der Aussagen
Zum Zeitpunkt der Interviews mit dem Pink Cross Co-Präsidenten war der Täter noch auf der Flucht und die Hintergründe waren nicht gesichert.
Wir sehen es als unsere Verantwortung,
- … nicht durch vorschnelle und unsorgfältige Kommunikation über eine Krisensituation zur Verunsicherung der Community beizutragen, gerade im Hinblick auf bevorstehende Prides auch in der Schweiz;
- … im Hinblick auf die Sicherheit unserer muslimischen queeren Mitglieder und Mitmenschen von Vorverurteilungen oder Pauschalverdacht abzusehen.
Dass Vorverurteilungen und Annahmen über laufende Entwicklungen auch in schnelllebigen Zeiten dringlichst zu vermeiden sind, sollte auf der Hand liegen, gerade von journalistischer Seite. Die Unterstellung bezüglich fehlender Positionierung ist damit ungerechtfertigt und unangebracht.
2. Tatsächliche Positionierung der Dachverbände wurde verschwiegen
Im gemeinsamen Communiqué der LGBTIQ+ Dachverbänden und der Schweizer Prides vom Montag nach dem Attentat ist klar nachzulesen, dass wir im Zuge des Vorfalls auch in der Schweiz ein Monitoring von Hassgruppen, Täterprävention sowie aktive Arbeit gegen jegliche queerfeindliche Radikalisierung fordern.
Dies nicht offenzulegen oder die Informationen spezifisch über ein Statement einzuholen, ist irreführend und schädlich. Aus dem Schreiben geht klar hervor, dass dies die gemeinsame Positionierung der Dachverbände darstellt.
3. Globalpolitischen Kontext ernstnehmen
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die offene Unterstützung von LGBTIQ+ Personen durch die aktuelle amerikanische, aber auch die deutsche Regierung in den letzten Jahren nicht nur frappant nachgelassen hat, sondern in zahlreichen Fällen eklatant beschnitten oder unterbunden wurde.
Dies geschieht mit der Streichung von Geldern für die Gesundheitsförderung und Unterstützungsangebote von queeren Gruppen, mit der Beseitigung von Zeichen der LGBTIQ+ Community, wie z. B. die Entfernung von Regenbogen-Symbolen in den USA oder die fehlende Regenbogenfahne auf dem Bundestag anlässlich des CSD Berlin.
Diesen gesellschaftspolitischen Kontext als Nährboden für wachsende Akzeptanz von LGBTIQ+-feindlichen Handlungen zu ignorieren, und stattdessen die Verantwortung für diese Gewalt den Opfern zuzuschieben, ist zynisch, pietätlos und unhaltbar.
4. Arbeit gegen queerfeindliche Gewalt
Die Angriffe auf LGBTIQ+ Menschen nehmen zu. Auch bei uns.
Das wissen wir dank der Arbeit der LGBTIQ+ Helpline, dank unserer jährlichen Hate Crime Berichte und dank unserer Unterstützung von Projekten wie dem Aktionsplan gegen Hate Crimes des Bundes.
Die LGBTQ-Dachverbände, Pink Cross, Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und Transgender Network Switzerland (TGNS), beziehen stets klar Stellung gegen gewaltvolle Bedrohungen unserer Community und arbeiten unermüdlich und mit grossem persönlichem Einsatz daran, die Lebensbedingungen zu verbessern und gegen jede Form von Queerfeindlichkeit einzustehen, ob aus politischer oder religiöser Radikalisierung oder anderen Motiven. Dabei stehen wir auch für LGBTIQ+ Menschen ein, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen und unterscheiden daher bewusst und konsequent zwischen den Auswirkungen von radikalem Islamismus und anti-muslimischem Rassismus.
Das aktuelle politische und gesellschaftliche Klima birgt viel Potenzial für Spaltung und Verunsicherung. Wir bitten Sie daher darum, mit dieser Richtigstellung zu einer verantwortungsvollen und geerdeten Debatte beizutragen.
Gezeichnet,
Pink Cross, Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und Transgender Network Switzerland (TGNS)