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«Bild. Macht. Mensch: Rollensichten»

CFD Medienmitteilung Bern, 22.11.2016 «Bild. Macht. Mensch: Rollensichten»

«Bild. Macht. Mensch: Rollensichten» Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet. Zu oft wird dies in der Schweiz und weltweit verharmlost und tabuisiert. Die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» macht mit vielfältigen Veranstaltungen auf das Problem aufmerksam und fordert auf genauer hinzuschauen. Sie startet am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, mit einer Lancierungsaktion in Bern, Basel, Zürich und Thun.

Unter dem Slogan «Bild. Macht. Mensch: Rollensichten» setzt die diesjährige Kampagne in der Schweiz den Fokus auf geschlechtsspezifische Rollenbilder. Denn sie sind mitverantwortlich für Alltagssexismus, für strukturelle, körperliche und psychische Gewalt. Sie beeinflussen wie wir uns verhalten und unser Umfeld wahrnehmen, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind. Sie prägen Darstellungen und die Gestaltung des öffentlichen und privaten Raums. Doch Geschlechterrollen sind nicht natürlich gegeben, sondern werden Männern und Frauen politisch und sozial zugeschrieben. Es entsteht ein Machtgefälle zu Ungunsten der Frauen, das Diskriminierung und geschlechtsspezifischer Gewalt Vorschub leistet. Die Aktionstage mit über 50 MitveranstalterInnen werden seit 2008 in der Deutschschweiz und Liechtenstein vom cfd koordiniert. Mehr Infos auf www.16tage.ch

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Medienmitteilung von Transgender Network Switzerland (TGNS)

2016 weltweit 295 Transmenschen ermordet

Am 20. November, dem Transgender Day of Remembrance, gedenken Transmenschen und ihre Freund_innen in aller Welt der Opfer transphober Gewalt. Zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 30. September wurden weltweit 2‘264 Transmenschen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität ermordet. Allein in den vergangenen 12 Monaten wurden in 33 Ländern 295 Morde an Transpersonen registriert. Diese Zahl bildet nur die Spitze des Eisbergs, denn die Morde müssen von der lokalen Polizei und Organisationen vor Ort als Hassverbrechen registriert worden sein. Die Dunkelziffer der aus Hass ermordeten Transmenschen liegt daher um ein Vielfaches höher.

Ausgrenzung und Diskriminierung in der Schweiz

In der Schweiz berichten sehr viele Transmenschen von täglichen Diskriminierungen wie Verspotten, Beschimpfen sowie körperlichen Angriffen. Oft werden sie von Ärzt_innen und Behörden in ihrem Trans*-Sein nicht ernstgenommen. „Hinzu kommt bei vielen die Abwendung der Familie bzw. Partner_in oder der Verlust des Arbeitsplatzes bei einem Coming-out. Diese Situation ist nicht nur psychisch schwer zu bewältigen, sondern kann zusätzlich zu einem gesellschaftlichen Abstieg führen“, fügt Henry Hohmann, Präsident von Transgender Network Switzerland.

Projekt mit Queeramnesty

Um die Gesellschaft für diese Vorfälle zu sensibilisieren, haben Transgender Network Switzerland und Queeramnesty Schweiz aus Anlass des Transgender Day of Remembrance eine Broschüre (Link) und eine Website erstellt. In ihr kommen vier Personen zu Wort, die selber unter Transfeindlichkeit leiden oder litten. "Die Geschichten von Maria, Matt, Lars und Francesca zeigen wie wichtig es ist, Diskrimierungen im Alltag zu thematisieren und sichtbar zu machen. Staatliche Institutionen und die Zivilgesellschaft sind beide gleichermassen gefordert.“ sagt Thomas Vinzenz, Gruppenleiter von Queeramnesty Schweiz. Unter folgendem Link können die Erlebnisse nachgelesen werden:https://www.tdor.ch/

Offiziell gibt es keine transphobe Gewalt

Transphobe Diskriminierung und Gewalt werden – anders als etwa rassistische Gewalt – in der Schweiz nicht offiziell registriert. Die neu lancierte LGBT+-Helpline soll es nun Transmenschen (aber auch Lesben, Schwulen und bisexuellen Personen) ermöglichen, Hassverbrechen und diskriminierende Vorfälle anonym zu melden. Sämtliche Daten werden statistisch erfasst, damit transfeindliches Verhalten und Strukturen in Zahlen sichtbar werden.

Eine Übersicht zu tödlichen Hassverbrechen an Transmenschen weltweit bietet das Projekt Trans Murder Monitoring: http://transrespect.org/en/research/trans-murder-monitoring/

Transgender Network Switzerland ist die Organisation von und für Transmenschen in der Schweiz.

Kontakt

Henry Hohmann

Präsident Transgender Network Switzerland

076 202 11 88

Veranstaltungen in Bern, Genf und Zürich

In der Schweiz finden zum Transgender Day of Remembrance am 19. und 20. November in drei Städten Mahnwachen zum Gedenken an die Opfer statt.

- Bern, 19.11.16, 15:00 - 17:00 Uhr, Kornhausplatz

- Zürich, 19.11.16, 15:00 - 17:00 Uhr, Limmatquai (Höhe Helmhaus)

- Genf, 20.11.16, 17:30 – 19:00 Uhr, 5 rue de l’industrie

Neue nationale Meldestelle gegen homo- und transphobe Gewalt

In den vergangenen fünf Jahren wurde nach Angaben der EU über ein Drittel aller LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen) aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder Geschlechtsidentität angegriffen oder mit Gewalt bedroht.

Keine offizielle Stelle in der Schweiz erfasst Gewalt an LGBT. Nun schliesst die neue Meldestelle «LGBT+ Helpline Schweiz» diese Lücke und startet mit einer Plakatkampagne ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Zahlen zur homo- und transphoben Gewalt fehlen bisher in der Schweiz.1 Polizeistellen und Strafverfolgungsbehörden registrieren Gewaltakte zwar basierend auf Rassismus, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität der Opfer von Gewalt spielt bei der Deliktstatistik aber keine Rolle.
Das führt zu einem Informations- und Wissensdefizit. Denn was nicht erfasst wird, findet offiziell auch nicht statt und bleibt unter dem Radar von Politik und Öffentlichkeit. Wo Zahlen fehlen, fehlt es auch an einer Legitimierung von wichtigen Beratungs- und Unterstützungsangeboten.

Die neue nationale Meldestelle «LGBT+ Helpline Schweiz» schliesst nun diese Erfassungslücke. Opfer, Zeuginnen und Zeugen erhalten die Möglichkeit, mittels einer 24-Stunden-Hotline oder eines standardisierten Online-Fragebogens Diskriminierungen, Gewalt- und Hassverbrechen (Beschimpfungen, verbale und körperliche Angriffe etc.) an LGBT anonym zu melden.

Ein Team von rund 30 Personen, die als psychologische Berater_innen ausgebildet wurden oder selber in diesem Bereich arbeiten, unterstützen die Opfer und Ratsuchenden bei allen Fragen rund um LGBT, vermitteln Spezialisten_innen wie Ärzte_innen oder Psychologen_innen oder helfen beim Gang zur Polizei.

Hate Crime-Kampagne im November
Mittels einer Plakatkampagne werden Öffentlichkeit, Behörden und LGBT-Menschen auf die Thematik von homo- und transphoben Hassverbrechen sensibilisiert und auf die neue Erfassungsstelle aufmerksam gemacht. Um nebst den Kanälen wie LGBT-Magazinen und Social Media weitere LGBT zu erreichen, wird eine Plakatkampagne auf die neue Meldestelle hinweisen. Die Plakate werden rund um LGBT-Orte (Bars, Restaurants, Partylokale, Cruising-Spots, LGBT-Organisationen, etc.) in der Deutschschweiz aufgestellt.

Die Romandie folgt in einer zweiten Welle. Mit diesem Konzept erreicht die Kampagne einerseits gezielt LGBT, spricht aber auch die Heterobevölkerung im öffentlichen Raum an.

Die Kampagne will:
• Bewusstmachen, was das Phänomen der Hassreden und -verbrechen ist und welche Risiken es
für das Zusammenleben und Menschen birgt
• Hassverbrechen/Diskriminierungen online registrieren und Werkzeuge vorstellen und entwickeln,
um sie zu bekämpfen
• Opfer von (Online-)Hassreden und -verbrechen unterstützen und sich mit ihnen solidarisieren

Jährliches Diskriminierungs- und Gewaltbericht
Ab 2017 wird die Meldestelle einmal jährlich sämtliche Vorfälle in einem Diskriminierungs- und Gewaltbericht der Öffentlichkeit und den Behörden zur Verfügung stellen. Gleichzeitig werden alle Vorfälle ab 2017 anonymisiert an die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, gemeldet, die sämtliche Hate Crimes in Europa sammelt und publiziert.
Damit will die neue Meldestelle einen Beitrag zur Sicherstellung von wirksamen Mechanismen zur Prävention und Reduktion der Gewalt gegen LGBT-Menschen leisten. Gleichzeitig stärkt sie das Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Behörden von Diskriminierungen und Hassverbrechen gegenüber LGBT-Menschen und steigert die Leistungsfähigkeit der Strafverfolgungsbehörden und der Justiz bei der Verfolgung von homo- und transphob motivierter Gewalt.

Partner_innen & Unterstützer_innen der Kampagne
• Pink Cross
• Amnesty International Schweiz
• Queeramnesty
• Transgender Network Switzerland
• Pink Cop
• Lesbenorganisation Schweiz LOS
• Dr. Gay
• Aids-Hilfe Schweiz
• Du-bist-du
• Migros Kulturprozent
• Network
• Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich HAZ
• Homosexuelle Arbeitsgruppen Bern HAB
• Homosexuelle Arbeitsgruppen Basel habs
Weitere Informationen
• Webseite www.lgbt-helpline.ch
• Visualisierung Plakatkampagne im Anhang


Medienanfragen
Lovis Cassaris
Co-Präsidentin LOS
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
+41 76 803 18 08

 

HateCrime poster F4 CMYK

Courrier à M. le Conseiller fédéral Didier Burkhalter

Le point International - 02.11.2016

Deux jeunes filles mineures ont été emprisonnées au Maroc et seront jugées pour homosexualité après avoir été surprises en train de s'embrasser, a-t-on appris de source associative. Sanaa et Hajar, âgées respectivement de 16 et 17 ans, ont été arrêtées jeudi dernier par la police à Marrakech, a indiqué à l'Agence France Presse Omar Arbib, de l'Association marocaine des droits humains. « Elles ont été surprises sur le toit d'une maison du quartier de Hay Mohammadi en train de s'embrasser et de s'enlacer. Quelqu'un les a prises en photo, a transmis le cliché à la famille dont un membre a prévenu la police », a expliqué Omar Arbib.

« Les deux filles mineures ont été arrêtées le même jour. Après 48 heures de garde à vue, elles ont été présentées devant le parquet », a-t-il précisé. Elles seront jugées vendredi, en vertu de l'article 489 du Code pénal qui criminalise « les actes licencieux ou contre-nature avec un individu du même sexe ». L'homosexualité est punissable de six mois à trois ans de prison. « Nous avons désigné un avocat pour les défendre », a ajouté le militant qui a appelé à la libération des deux jeunes filles et à la suppression de l'article de loi. Le Maroc, un pays de 35 millions d'habitants tiraillé entre conservatisme religieux et ouverture sur l'Occident, a connu plusieurs controverses liées aux mœurs ces dernières années.

L'organisation suisse des lesbiennes LOS a écrit au DFAE, M. Le conseiller fédéral Didier Burkhalter, pour demander son intervention à l'égard de cette grave atteinte aux Droits Humains

Télécharger la lettre

#schweizeraufschrei - ***MEDIENMITTEILUNG*** Schwuler Sexismus – Es reicht!

Dia Pink Panorama 2014

Die Lesbenorganisation Schweiz LOS verurteilt sowohl den Sexismus innerhalb der LGBT+ Community als auch die interne und (folglich) öffentlich-mediale Unsichtbarmachung lesbischer Frauen. Sie fordert eine differenziertere Berichterstattung und die Sichtbarmachung homosexueller Frauen in der Schweizer Medienlandschaft, mehr geschützte Frauenräume und -angebote und die Berücksichtigung frauen- und lesbenspezifischer Themen innerhalb als auch ausserhalb der Community.

Unter dem Hashtag#SchweizerAufschreiteilen Frauen und ein paar wenige Männer seit einigen Tagen in den sozialen Medien ihre Erfahrungen mit Sexismus im Alltag und sexualisierter Gewalt. Initiantin war zusammen mit vier weiteren Aktivistinnen unsere Co-Präsidentin Lovis Cassaris. Der Auslöser für den Aufschrei war unter anderem eine Aussage von SVP-Politikerin und Polizistin Andrea Geissbühler. In einem TV-Beitrag, in dem es um bedingte Strafen für Vergewaltiger ging, sagte Geissbühler: «Naive Frauen, die fremde Männer nach dem Ausgang mit nach Hause nehmen und dann ein bisschen mitmachen, aber plötzlich dennoch nicht wollen, tragen ja auch ein wenig eine Mitschuld. Da sind die bedingten Strafen vielleicht gerechtfertigt.»

Der #SchweizerAufschrei verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wurde in zahlreichen (Print-)Medien aufgegriffen, abgehandelt, weitergedacht. Zwei Aspekte wurden bisher nicht angesprochen, welche die LOS als schwulen Sexismus und die Unsichtbarmachung lesbischer Frauen beklagt.
Es ist traurig, dass wir immer wieder darauf aufmerksam machen müssen, aber Lesben sind gleichzeitig auch Frauen. Sie werden also nicht nur diskriminiert, weil sie lesbisch sind, sondern auch benachteiligt, weil sie Frauen sind. Und Schwule profitieren auch weiterhin von den Privilegien, die Männern aufgrund ihres Geschlechts zugesprochen werden. Vor Sexismus und dessen Reproduktion sind auch Angehörige einer LGBT+ Community nicht ausgeschlossen.

Wir haben genug vom Sexismus auch innerhalb der eigenen LGBT+ Szene. Nicht nur die Frauenfeindlichkeit, auch die Lesbenfeindlichkeit unter Schwulen muss ein Ende nehmen. Wir haben genug von Schwulen, die – um in den Genuss bürgerlich-heteronormativer Vorteile zu kommen, andere Männer als «Tunten» beleidigen, weil sie in ihrem Empfinden und Verhalten dem weiblichen Stereotyp entsprechen. Wir haben genug von Schwulen, die sich in Anwesenheit von Frauen vulgär ausdrücken und abfällige Kommentare zu weiblichen Genitalien und der Menstruation machen. Wir haben genug von Schwulen, die Frauen anfassen und den Mangel an Respekt vor der körperlichen Integrität relativieren und legitimieren mit der Tatsache, dass sie schwul seien und deshalb kein sexuelles Interesse dahinterstecke. Wir möchten mehr geschützte Räume für Lesben. Wir möchten keine Partys wie die „Come Together“ im Marquée Zürich, die «für mehr feminine Lesben» werben - uns gibt es im Mini-Rock, mit Lippenstift, Holzfällerhemd und Smoking, mit und ohne Bein- und Achselbehaarung, mit langen oder kurzen Haarfrisuren. Wir müssen keinem Wunschbild entsprechen. Deshalb fordern wir mehr Räume, welche die Vielfalt lesbischer Frauen respektieren.

Wir möchten überhaupt mehr Räume haben. Und mehr Sichtbarkeit auch innerhalb der LGBT+ Community. Die meisten Homo-Gruppen bestehen mehrheitlich aus Männern, einige sind sogar reine Männergruppen. Wenn schwule Männer die Szene dominieren, wirkt sich dies zwangsweise auf die Sensibilisierung gegenüber lesbischen Themen aus. Frauen- und Lesbenthemen sind in diesen Gruppen nicht selten unterrepräsentiert. Ein aktuelles Beispiel ist das Gaywest Festival 2016, obwohl von einer Frau mitorganisiert. Das Entertainment-Programm bestand vorwiegend aus Männern, obwohl es genug gute Künstlerinnen gibt, die man hätte engagieren können. Auf der Bühne hielt eine einzige Frau eine Rede. Wir haben genug und fordern die Sichtbarmachung lesbischer Frauen innerhalb, aber auch ausserhalb der LGBT+ Community. So berichten Medien vorwiegend über Schwule, wenn sie eigentlich Schwule, Lesben und manchmal auch Transgender meinen. Umgekehrt schreiben sie über Homosexuelle, wenn nur schwule Männer gemeint sind. Mittlerweile ist der Eindruck entstanden, der Begriff «homo» beziehe sich lediglich auf Männer weil er im Lateinischen «Mensch, Mann» bedeutet. Abgesehen davon, dass homo zwar «Mann» bedeuten kann, aber nicht zwingend muss, sondern als Mensch zu verstehen ist (z.b. homo sapiens), wird hier häufig das falsche Präfix zitiert. «Homo» kommt nämlich aus dem griechischen ὁμός (homós) und bedeutet „gemeinsam, gleich, ähnlich“, im Gegensatz zu «hetero» (griechisch) = verschieden.

Obwohl die LOS zahlreiche Projekte mitfinanziert, scheinen für die Medien also privilegierte, weiße Schwule ausreichende Repräsentanten für eine Community zu sein, die vielfältiger nicht sein könnte.
Wir fordern mehr Sichtbarmachung und zugleich mehr Autonomie. Die LOS möchte von anderen (Schwulen-)Organisationen in ihren Vorhaben unterstützt, aber nicht von ihnen vertreten werden aus folgenden Gründen: Sexismus und Intersektionalität. Intersektionalität bedeutet, dass soziale Kategorien wie Gender, Ethnizität, Klasse u.a. nicht isoliert voneinander konzeptualisiert werden (können), sondern dass die komplexen Strukturen bzw. Überkreuzungen (intersections) analysiert werden müssen.

Es ist grundsätzlich keine schlechte Sache, wenn Schwulenorganisationen, die vor allem privilegierte weiße Männer vertreten, der LGBT-Community eine Stimme geben wollen (oder zumindest von den Medien als so offen wahrgenommen wird). Problematisch wird es, wenn dies die einzig wahrgenommene Stimme ist. Sobald die Frauen die Initiative ergreifen, um sichtbarer zu werden, werden nicht selten schwul-lesbische Gegenvorschläge gemacht oder es wird damit argumentiert, dass schwule Themen mehr Echo in den Medien bzw. der allgemeinen Öffentlichkeit bewirken. Frauen hatten schon immer mit ihrer Unsichtbarmachung zu kämpfen. Das hat wenig mit mangelnder Öffentlichkeitsarbeit oder finanziellen Mitteln zu tun. Zwei schwule Männer wirken provokanter als zwei lesbische Frauen, denen man entweder die Sexualität abspricht, indem man sie z.B. als beste Freundinnen wahrnimmt oder - wenn sie sexualisiert werden - sich kaum ein Mann daran stört, weil sie keinen Ausweg Pornographie-Narrativ finden und ihre Sichtbarkeit sehr häufig wahrgenommen wird als „dem Mann gefallen zu wollen“ oder seinem persönlichen Vergnügen zu dienen. Und dies auch, solange sie nicht burschikos sind, sondern dem femininen, heterosexuellen Stereotyp entsprechen.
Es gilt nicht, eine einzige gemeinsame Identität zu finden, da Vielfalt ein wesentlicher Bestandteil der LGBT-Community ist. Macht-Ungleichgewichten kann am besten entgegentreten werden, wenn jeder Gruppe eine Stimme verliehen, anstatt dass sie mundtot gemacht wird. Die LOS, die Lesben haben eine eigene Stimme. Sie ist in den letzten Monaten lauter geworden und das ist auch gut so. Wir möchten nicht bevormundet werden. Uns wird immer wieder vorgeworfen, sauer oder beleidigt zu sein. Das ist nichts Neues: Frauen, die selbstbewusst auftreten, die unangepasst und unbequem sind, werden als zickig, böse, hysterisch, oder gar als hässliche «Femi-Nazis» oder «Birkenstockfaschos» abgestempelt. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir lassen uns nicht sprachlos machen.

Die Berufung auf eine gemeinsame Identität mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, um politische Ziele nach aussen zu vertreten und zu erreichen. Sinnvoll wäre, um es mit Judith Butler auszudrücken, eine Allianz von Individuen und Gruppen, die zwar nicht frei von Auseinandersetzungen sind, aber selbstreflexiv und selbstkritisch damit umgehen können. Wir teilen Carolin Emckes Gedanken, wenn sie sagt: «Wir können neu anfangen und die alten Geschichten weiterspinnen wie einen Faden Fesselrest, der heraushängt, wir können anknüpfen oder aufknüpfen, wir können verschiedene Geschichten zusammen weben und eine andere Erzählung erzählen, eine, die offener ist, leiser auch, eine, in der jede und jeder relevant ist.
Das geht nicht allein. Dazu braucht es alle in der Zivilgesellschaft. Demokratische Geschichte wird von allen gemacht. Eine demokratische Geschichte erzählen alle. Nicht nur die professionellen Erzählerinnen und Erzähler. Da ist jede und jeder relevant, alte Menschen und junge, die mit Arbeit und die ohne, die mit mehr und die mit weniger Bildung, Dragqueens und Pastoren, Unternehmerinnen oder Offiziere, jede und jeder ist wichtig, um eine Geschichte zu erzählen, in der alle angesprochen und sichtbar werden. Dafür stehen Eltern und Großeltern ein, daran arbeiten Erzieher und Lehrerinnen in den Kindergärten und Schulen, dabei zählen Polizistinnen und Sozialarbeiter so wie Clubbesitzer und Türsteher. Diese demokratische Geschichte eines offenen, pluralen Wir braucht Bilder und Vorbildern, auf den Ämtern und Behörden ebenso wie in den Theatern und Filmen – damit sie uns zeigen und erinnern, was und wer wir sein können. » – Und nicht zuletzt in den eigenen Reihen, in der LGBT+ Community und drum herum.

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