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Neues HIV-Programm des Bundes: Was ist mit den Lesben?

 

Was hat man den Lesben für einen Platz eingeräumt im neuen HIV-Programm des Bundesamts für Gesundheit?

Am 1. Dezember 2010 hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sein Rahmenprogramm zur HIV-/Aids-Prävention für die Jahre 2011 bis 2017 veröffentlicht.

Neu umfasst es auch Massnahmen gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten (STI, sexually transmitted infections).

Das Programm gliedert sich in drei Interventionsachsen:

Achse 1: alle in der Schweiz lebenden Menschen

Achse 2: Menschen mit hohem Ansteckungsrisiko: Männer, die mit Männer Sex haben (MSM), SexworkerInnen, GefängnisinsassInnen, Drogenabhängige und Personen aus Regionen mit hoher Krankheitshäufigkeit.

Achse 3:Menschen mit HIV und/oder einer anderen STI und deren SexualpartnerInnen.

Santé PluriELLE, die Fachgruppe der LOS, sowie Lestime haben sich während der Vernehmlassung dafür eingesetzt, dass das Präventionsprogramm auch die speziellen Bedürfnisse von Lesben und anderen Frauen, die Sex mit Frauen haben (FSF), berücksichtigt. Die Stiftung Agnodice für Menschen mit atypischen Geschlechteridentitäten und das Swiss Transgender Network haben ihrerseits dafür plädiert, die besonderen Anliegen der Trans-Menschen zu HIV in die zweite Achse des Programms aufzunehmen.

Auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse unseres Engagements eher mager zu sein, da keine explizite Präventionsmassnahme für Lesben, FSF oder Trans-Menschen im Programm aufgeführt sind. Immerhin erwähnt eine Fussnote auf Seite 85 des Programms, dass nur die MSM und die Trans-Menschen, die sich prostituieren, zur zweiten Achse gehören und dass Lesben, FSF sowie alle anderen Trans-Menschen der ersten Achse zugeordnet werden.

Beim genaueren Studium des Programms lassen sich einige erfreuliche Fortschritte feststellen:

Explizit erwähnt sind die Rechtsgleichheit und das Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Orientierung oder Identität (Seite 77).

Lobenswert ist auch, dass die epidemiologischen Daten zu einigen STI auch nach sexueller Orientierung der Frauen gegliedert sind (SS. 34-39) – was im Allgemeinen bei den zu HIV/Aids publizierten Daten nicht der Fall ist.

Zudem stützt sich das Programm auf die Empfehlung des Europarates hinsichtlich der Antidiskriminierung von LGBT und erwähnt dieses Rechtsinstrument als wichtige gesellschaftliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der Ziele (SS. 89/90).

Und es schliesst die LGBT-Dachorganisationen in die Umsetzung der Massnahmen für die zwei ersten Achsen ein (S. 130).

Last but not least: Das Programm plädiert für eine Sexualerziehung auf allen Schulstufen in der Schweiz und präzisiert, dass diese wie folgt konzipiert sein soll: «Sie behandelt wertfrei verschiedene Ausrichtungen der sexuellen Orientierung und Identität und erleichtert so Jugendlichen, ihre eigene zu finden.» (S. 95).

Wir könnten nun sagen, das Glas sei halb leer, und bedauern, dass das BAG nur Grundsatzerklärungen abgegeben hat, anstatt Lesben, FSF und Trans-Menschen expliziter ins neue Programm – etwa nach dem Vorbild des französischen Präventionsprogrammes – aufzunehmen. Wir ziehen es jedoch vor, das Glas als halb voll zu betrachten und uns über die Fortschritte zu freuen: Wir sind – wenn auch in Fussnoten oder eher zwischen den Zeilen – ein Teil des Programms.

Es ist an der Zeit, dass wir in der Gesundheitsprävention sichtbarer werden, denn Lesbischsein schützt nicht gegen HIV und andere STI.

Sylvie Berrut


Verwandte Links:
Nationales Programm HIV und STI 2011-2017
Programme national VIH et IST 2011-2017
Plan national de lutte contre le VIH/SIDA et les IST 2010-2014 (France)

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