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Prix Chapeau «Es braucht etwas Mut»

Prix Chapeau «Es braucht etwas Mut»

Schulprojekt ABQ erhält den Prix Chapeau und damit «offizielle Anerkennung» Schwule,Lesben und Bisexuelle besuchen Schulklassen und informieren die Jugendlichen über gleichgeschlechtliche Liebe. Für ihren Mut und das «ungewöhnliche Engagement» erhalten sie den Prix Chapeau. • SUSANNE GENTSCH

«Der Preis bedeutet die offizielle Anerkennung unserer Arbeit», sind sich die Vorstandsmitglieder des Vereins Schulprojekt ABQ einig. «Es sagt uns jemand, dass gut ist, was wir machen», erklärt Adrienne Rychard. Die ehemalige Lehrerin ist seit der Gründung des Vereins 1999 dabei. Sie und die anderen rund zwanzig Mitglieder im Alter zwischen 17 und 36 Jahren besuchen regelmässig Schulklassen. Engagiert werden sie von interessierten Lehrpersonen im Kanton Bern. «Wir betreiben aber keinen Sexualkundeunterricht», hält Marianne Kauer fest. Das Ziel der homo- und bisexuellen Männer und Frauen ist es vielmehr, Jugendliche über gleichgeschlechtliche Liebe zu informieren und so Vorurteile abzubauen. Der Unterricht ist auf Jugendliche ab der sechsten Klasse und Absolventen von weiterführendenSchulen zugeschnitten. Eltern können ihre Kinder von den betreffendenSchulstunden dispensieren lassen.
«Von den anwesenden Jugendlichen bekommen wir fast nur positive Rückmeldungen», sagt Kauer. Sie würden sich nach dem ABQ-Besuch weniger verunsichert fühlen und gegenüber Homosexuellen viel toleranter sein.

Lehrpersonen sensibilisieren

«Um das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen, erzählen wir ihnen unsere Lebens- und Coming-out-Geschichten», erklärt Vorstandsmitglied Daniel Furter. «Das braucht vor allem am Anfang etwas Mut.» Genau dafür hätten die Leute den Prix Chapeau verdient, begründet Madeleine Elmer vom Loeb den Entscheid der Jury. Das «ungewöhnliche Engagement» verdiene Anerkennung. «Natürlich können wir auch das Geld gebrauchen», sagt Furter. Der Verein Schulprojekt ABQ ist selbsttragend, die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Die Preissumme soll in die Weiterbildung der Schulbesucher investiert werden. Geplant ist ausserdem die Ausarbeitung eines Konzepts zur besseren Sensibilisierung der Lehrpersonen. «Viele Lehrerinnen und Lehrer sind sich der grossen Probleme ihrer Schülerinnen und Schüler im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlicher Liebe nicht bewusst», so Rychard. Oft könnten Jugendliche ihre Gefühle nicht deuten oder das Anderssein ihrer Kameraden nicht tolerieren. Dem möchte das Schulprojekt ABQ entgegenwirken.

Mehr Infos zum Projekt ABQ unter www.abq.ch. E-Mail:

Der Bund, 1.11.03